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Sparrenquerschnitt: Wovon er abhängt und wer ihn berechnet
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Wie stark ein Sparren sein muss, hängt von der Spannweite, dem Sparrenabstand, dem Gewicht des Dachaufbaus, der Schneelast am Standort und der Festigkeitsklasse des Holzes ab. Den Querschnitt legt die Statik fest, also der Standsicherheitsnachweis einer Tragwerksplanerin oder eines Tragwerksplaners. Diese Seite zeigt, welche Größen dabei zählen, nach welchen Normen gerechnet wird und was Sie für das Gespräch mit der Statik vorbereiten können. Einen Online-Rechner, der Ihnen einen Querschnitt nennt, gibt es hier bewusst nicht: Ein Fehler bei Lasten oder Sicherheitsbeiwerten bliebe unbemerkt, bis das Dach ihn zeigt.
Wovon der Sparrenquerschnitt abhängt
- Spannweite: die freie Länge des Sparrens zwischen seinen Auflagern, etwa zwischen Fußpfette und Mittelpfette. Je länger das freie Stück, desto größer werden Biegung und Durchbiegung.
- Sparrenabstand: Jeder Sparren trägt den Streifen Dachfläche, der auf ihn entfällt. Ein größerer Abstand bedeutet mehr Last je Sparren.
- Ständige Last: das Gewicht von Dachdeckung, Lattung, Unterdach, Dämmung und Innenbekleidung. Ein Gründach oder schwere Ziegel verlangen andere Querschnitte als eine leichte Deckung.
- Schneelast und Wind: Die Schneelast hängt vom Standort ab und wird nach Norm angesetzt (nächster Abschnitt).
- Holz: Bauholz für tragende Zwecke wird nach EN 338 in Festigkeitsklassen eingeteilt, Nadelholz zum Beispiel in C16, C24 oder C30. Für C24 nennt die Norm eine charakteristische Biegefestigkeit von 24 N/mm², einen mittleren E-Modul von 11.000 N/mm² und eine charakteristische Rohdichte von 350 kg/m³. Die Biegefestigkeit begrenzt die Tragfähigkeit, der E-Modul die Durchbiegung.
Schneelast: wie sie ermittelt wird
Die Schneelast für die Bemessung steht in DIN EN 1991-1-3 mit dem deutschen Nationalen Anhang. Ihr Grundwert ist die charakteristische Schneelast sk am Boden. Sie hängt von der Schneelastzone ab, die der Nationale Anhang als Karte enthält, und von der Höhe des Geländes. Die Werte sind so festgelegt, dass sie im Mittel nur einmal in 50 Jahren überschritten werden (98-%-Fraktil der Jahresmaxima).
Auf dem Dach wird daraus s = μi · sk. Der Formbeiwert μi berücksichtigt Dachform und Dachneigung. Für Gebiete, die der Nationale Anhang dem Norddeutschen Tiefland zuordnet, kommt ein außergewöhnlicher Lastfall mit dem Faktor 2,3 hinzu. Zur Einordnung: Eine Schneelast von 1 kN/m² entspricht rund 100 kg Schnee je Quadratmeter Grundrissfläche.
Die Schneelastzone Ihres Standorts finden Sie im Schneelastzonen-Kataster. Die amtliche Zuordnung der Zonen nach Verwaltungsgrenzen veröffentlicht die Bauministerkonferenz.
Nach welchen Normen gerechnet wird
- Holzbau: DIN EN 1995-1-1:2010-12 (Eurocode 5) mit der Änderung A2:2014-07 und dem Nationalen Anhang DIN EN 1995-1-1/NA:2013-08. Dort stehen die Nachweise für Biegung, Schub und Durchbiegung.
- Schnee: DIN EN 1991-1-3:2010-12 mit A1:2015-12 und dem Nationalen Anhang DIN EN 1991-1-3/NA:2019-04.
- Lastkombinationen und Sicherheitsbeiwerte: DIN EN 1990:2010-12 mit Nationalem Anhang.
Eine Tabelle „Spannweite ergibt Querschnitt“ ersetzt diese Nachweise nicht. Sie kennt weder Ihren Dachaufbau noch Ihre Schneelast noch die Auflager.
Wer den Querschnitt berechnet
Für die Standsicherheit verlangt das Bauordnungsrecht bautechnische Nachweise. Die Musterbauordnung regelt sie in § 66, die Landesbauordnungen übernehmen das mit eigenen Regeln dazu, wer die Nachweise aufstellen darf und wann sie geprüft werden. Bei einem Neubau, einem Dachausbau oder einer Aufstockung erstellt die Tragwerksplanung die Statik. Die Zimmerei baut nach ihr.
Bei einem bestehenden Dach steht der angesetzte Schneelastwert in der Statik des Gebäudes. Fehlen die statischen Unterlagen oder bestehen Zweifel, ob das Tragwerk für eine Last ausreichend bemessen ist, rät das Bautechnische Prüfamt Brandenburg, ein örtliches Ingenieurbüro für Tragwerksplanung hinzuzuziehen. Solche Zweifel entstehen etwa vor einer schwereren Deckung, einer Photovoltaikanlage oder einem Dachausbau.
Was Sie für die Statik vorbereiten können
- Lage und Höhe des Grundstücks, damit Schneelastzone und Geländehöhe feststehen
- Dachform, Dachneigung und die Abstände der Pfetten bzw. Auflager
- den geplanten Dachaufbau von der Deckung bis zur Innenbekleidung, mit Gewichten aus den Herstellerangaben
- gewünschte Sparrenabstände, etwa passend zur Breite der Dämmung
- bei einem Bestandsdach: vorhandene Statik, Baujahr, Sparrenmaße und sichtbare Schäden wie Risse oder Verformungen
Quellen
- Landesamt für Bauen und Verkehr Brandenburg, Bautechnisches Prüfamt: Standsicherheit von Gebäuden bei Schneelasten. Hinweise für Eigentümer/Verfügungsberechtigte, Fassung 08.09.2021 (PDF, abgerufen am 10.10.2026)
- Festigkeitsklassen nach EN 338, Werte für C24 (Datenblatt J. u. A. Frischeis, abgerufen am 10.10.2026)
- DIN EN 1995-1-1/NA:2013-08, aktuelle Ausgabe laut DIN Media (dinmedia.de, abgerufen am 10.10.2026)
- Bautechnische Nachweise nach § 66 Musterbauordnung (BauNetz Wissen, abgerufen am 10.10.2026)
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